Allgemein

Bildungsprojekt: Asien-Pazifik Raum schaffen

Bildungsprojekt im Museum der Trostfrauen

Im Rahmen des Förderprogramms „Bildungsarbeit in Schulen zu Kolonialismus und Verantwortung“ (BIKO) der Stiftung Nord-Süd-Brücken, das von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gefördert wurde, konnte der Korea Verband im vergangenen Jahr das Projekt „Asien-Pazifik Raum schaffen“ an der Fritz-Karsen-Schule erfolgreich realisieren.

Ziel des Projekts war es, bestehende Lücken im Berliner Schulcurriculum zur Kolonial- und Migrationsgeschichte des Asien-Pazifik-Raums zu schließen. Es sensibilisierte die Schüler*innen der 12. Klasse der Fritz-Karsen-Schule in Berlin-Neukölln für Deutschlands historische Verantwortung und anti-asiatischen Rassismus. Aufgrund des positiven Feedbacks dient das Projekt nun als Grundlage für die Entwicklung eines möglichen Folgeprojekts: ein Fortbildungsprogramm für Lehrer*innen.

Hintergrund

Das Interesse an der kritischen Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte wächst. Die Aufarbeitung und schulische Bildung zur Kolonisierung des afrikanischen Kontinents und ihre fatalen Folgen bis hin zur Gegenwart ist eine zu begrüßende Entwicklung, die jedoch bezüglich des Asien-Pazifik-Raums kaum bis gar nicht stattfindet. Dies hängt auch mit einer undifferenzierten Vorstellung eines kulturellen Großraums zusammen, in dem historisch eigenständige Gesellschaften pauschal unter dem Begriff „Asien“ subsumiert werden.

In deutschen Geschichtsbüchern fehlen sowohl die kolonialen Erfahrungen asien-pazifischer Länder als auch die fortwirkenden Folgen kolonialer Strukturen, die sich in Spaltung, (Bürger-)Kriegen, Armut und Flucht äußern. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert befanden sich viele Länder der Region im Spannungsfeld westlicher und japanischer Großmachtansprüche – auch das Deutsche Reich war als Kolonialmacht aktiv und spielte eine zentrale Rolle im militärischen Wissenstransfer mit dem japanischen Kaiserreich und China. Zudem förderten sowohl die BRD als auch die DDR seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Arbeitsmigration aus diesen Ländern, die zu dieser Zeit noch stark unter den Folgen des Kolonialismus litten. Damit sind sowohl die koloniale Vergangenheit als auch die Migrationsbewegungen aus dem Asien-Pazifik-Raum untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden.

Dies führt zu einem unvollständigen Verständnis der deutschen Geschichte, verstärkt stereotype Vorstellungen und trägt dazu bei, dass die historische Verantwortung Deutschlands nicht ausreichend reflektiert wird. Eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen ist daher dringend notwendig, um Schüler*innen ein umfassendes Geschichtsbewusstsein zu vermitteln und einen Beitrag zu einer inklusiven und antirassistischen Gesellschaft zu leisten.

Maßnahmen und Verlauf des Bildungsprojekts

Das Projekt startete mit Vorgesprächen mit Lehrkräften, gefolgt von einem ganztägigen Workshop im Museum der „Trostfrauen„. Dort setzten sich die Schüler*innen intensiv mit Kolonialismus, sexualisierter Gewalt und Widerstandsnarrativen auseinander. Sie diskutierten historische Kontinuitäten, wie Militärbordelle im Zweiten Weltkrieg und sexualisierte Gewalt im Krieg in Vietnam, und stellten Bezüge zu Themen wie Sexismus, Patriarchat und deutschen Kolonialverbrechen her. Anschließend bereiteten sie ihre Erkenntnisse kreativ auf und entwickelten Konzepte für die Präsentation im Museum.

Für weiterführende Informationen zum Projekt und Zugang zu den entwickelten Bildungsmaterialien wenden Sie sich bitte an den Projektleiter Yann Werner Prell unter der E-Mail-Adresse: yann.prell@koreaverband.de.

Einblicke in unser Bildungsprojekt

Fotos von Saebom Kim am 18.12.2024 im Museum der „Trostfrauen“ aufgenommen.

Wir bedanken uns für die Unterstützung

Für die Inhalte der Publikationen ist allein die bezuschusste Institution verantwortlich. Die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und der Stiftung Nord-Süd-Brücken wieder.