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6 Jahre Ari in Berlin-Moabit

27. September, 17:00 - 20:00

Anlässlich des 6. Jahrestages der Aufstellung von Ari in Berlin-Moabit möchten wir erneut ihre außergewöhnliche Symbolkraft gegen Militarismus und sexualisierte Gewalt hervorheben.

Am 28. September 2020 wurde die Friedensstatue Ari in Moabit aufgestellt. Nur zehn Tage später geriet das Denkmal infolge des politischen Drucks der japanischen Regierung ins Visier des Bezirksamts Mitte. Fünf Jahre lang haben wir uns gemeinsam mit vielen Unterstützer*innen erfolgreich gegen ihre Entfernung gewehrt.

Eine besondere Erfahrung dieses langen Kampfes war, wie sehr sich die Bedeutung von Ari durch die Menschen erweitert hat, die sich mit ihr solidarisierten. Zahlreiche Künstler*innen begleiteten unseren Widerstand mit Musik, Performance, Literatur und anderen künstlerischen Ausdrucksformen und verliehen dem Denkmal damit einen friedlichen und zugleich kraftvollen Charakter. An unserer Seite standen Aktivist*innen aus aller Welt ebenso wie feministische Wissenschaftler*innen. So wurde Ari weit über ihre ursprüngliche Bedeutung hinaus zu einem lebendigen Ort des Erinnerns, der Solidarität und des Widerstands gegen sexualisierte Gewalt, Kolonialismus und Militarismus.

Auch in diesem Jahr haben sich eine junge Musikerin und eine international renommierte Wissenschaftlerin mit uns zusammengefunden, um an Ari und die Geschichte, für die sie steht, zu erinnern. Wir wollen mit der Veranstaltung eine Brücke von der Geschichte der sogenannten „Trostfrauen“ bis in unsere Gegenwart bauen. Sie erinnert uns daran, dass sexualisierte Gewalt in militärischen Kontexten kein abgeschlossenes Kapitel der Vergangenheit ist.

Am Sonntag, den 27. September, wird die Stuttgarter Musikerin Hyunsong Lee ihr Marimba-Projekt „Resonant Absence – Was bleibt unerinnert?“ präsentieren. Mit ihrer musikalischen Arbeit fragt sie danach, was aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet und welche Verantwortung wir dafür tragen, vergangenes Unrecht nicht dem Vergessen zu überlassen.

„Was bleibt“ – Ein Marimba-Soloprojekt über Krieg und Erinnerung

Das Projekt beschäftigt sich mit Menschen, deren Erfahrungen von Krieg und Gewalt lange Zeit nicht ausreichend erinnert oder gehört wurden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den sogenannten „Trostfrauen“ sowie auf Veteranen des Koreakrieges, deren Geschichten ein wichtiger Teil der koreanischen Geschichte sind. Die Ausgangspunkte dieses Projekts waren Interviews mit Überlebenden der sogenannten „Trostfrauen“ sowie persönliche Begegnungen mit Veteranen des Koreakrieges während meines Aufenthalts in Deutschland. Diese Begegnungen haben mich dazu bewegt, mich künstlerisch mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Erinnerung weitergegeben werden kann und welche Rolle Musik dabei spielen kann.

Dieses Projekt wurde als Stipendienprojekt an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart gefördert.

Das Programm ist als etwa 20–30-minütiges Marimba-Solokonzert konzipiert und versucht, musikalisch die Spuren von Erinnerung, Zeit und Emotionen hörbar zu machen.

Programm

Marimba-Soloprogramm (ca. 20–30 Minuten)

J. S. Bach – Chaconne in d-Moll (aus der Partita Nr. 2)

Die Chaconne von Johann Sebastian Bach gehört zu den eindrucksvollsten Werken der Musikgeschichte. Auf einer kurzen harmonischen Grundlage entwickelt Bach eine Reihe von Variationen, die sich kontinuierlich entfalten und verändern.

In diesem Projekt steht die Chaconne symbolisch für den Fluss der Zeit und die Wiederkehr von Erinnerung. Die tiefe und warme Klangfarbe der Marimba eröffnet dabei eine neue Perspektive auf dieses Werk und bildet den zentralen musikalischen Kern des Programms.

Jean Sibelius – Kuusi (Die Fichte)

Das Stück „Kuusi“ von Jean Sibelius zeichnet sich durch eine ruhige und meditative Atmosphäre aus. Anstatt dramatischer Entwicklungen entsteht die musikalische Spannung hier durch feine Veränderungen von Klang und Melodie.

Innerhalb des Programms wirkt dieses Werk wie ein Moment der stillen Reflexion. Die Marimba ermöglicht es, diese fragile und nachdenkliche Stimmung besonders sensibel hörbar zu machen.

Arirang-Arrangement für Marimba

Arirang ist eines der bekanntesten traditionellen Lieder Koreas und wird oft als musikalisches Symbol für kollektive Erinnerung und emotionale Erfahrung verstanden.

Im Kontext dieses Programms steht Arirang für die Verbindung zwischen individueller Erinnerung und kulturellem Gedächtnis. Durch die Interpretation auf der Marimba erhält diese Melodie eine neue klangliche Dimension und bildet den ruhigen, nachdenklichen Abschluss des Programms.

Künstlerbiografie

Hyunsong Lee ist Schlagzeugerin und studiert derzeit im Masterstudiengang an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Ihr Bachelorstudium absolvierte sie ebenfalls an der HMDK Stuttgart. Als Musikerin trat sie bereits in verschiedenen Ländern auf, darunter Korea, Taiwan, die Niederlande, Frankreich, Norwegen und Deutschland.

In ihrer künstlerischen Arbeit versteht sie Schlaginstrumente nicht nur als rhythmische Instrumente, sondern als ein künstlerisches Medium, um gesellschaftliche Themen und Emotionen auszudrücken. Besonders beschäftigt sie sich mit Projekten, die sich mit Erinnerung, Geschichte und sozialen Fragen auseinandersetzen.

Ihr aktuelles Projekt „Was bleibt“ ist ein Marimba-Soloprojekt über Krieg und Erinnerung und wurde als Stipendienprojekt an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart gefördert.

Im Anschluss an die musikalische Performance hält Prof. Dr. Margo Okazawa-Rey einen Vortrag in englischer Sprache:

„Military Sexual Slavery and Violence: Same Old Patriarchal Game Plan“
(DE: Sexuelle Versklavung und Gewalt im Militär: Immer wieder derselbe patriarchale Spielplan)

Militärische sexuelle Versklavung und sexualisierte Gewalt sind weder neue noch überraschende Phänomene. Gewalt und Ausbeutung von Frauen in unterschiedlichem Ausmaß durch nationale Streitkräfte und lokale Milizen sind integraler Bestandteil von Krieg, Militarismus und Militarisierung. Ihre konkreten Formen unterscheiden sich jedoch je nach Ort und historischem Kontext; an manchen Orten lassen sich dabei deutliche Kontinuitäten erkennen.

Eine solche Kontinuitätslinie besteht zwischen dem System der sexuellen Versklavung durch die japanische Kaiserliche Armee – dem sogenannten „Trostfrauen“-System – und den Strukturen, die während des Koreakrieges und in der Zeit danach von der US-amerikanischen und der südkoreanischen Regierung übernommen und weitergeführt wurden. Dazu gehört die sogenannte „Kijichon“-Prostitution in den Militärstützpunkten und ihren umliegenden Ortschaften, in deren Rahmen Frauen US-amerikanischen Militärangehörigen zur Prostitution zur Verfügung gestellt wurden und werden.

In all diesen Fällen sind es immer wieder arme Frauen, Frauen aus der Arbeiter*innenklasse und aus ländlichen Regionen, die gezielt ausgebeutet und zu Opfern gemacht werden. Gleichzeitig profitieren die „Förderer“ und Träger dieser Systeme – Regierungen und ihre Streitkräfte, kleine lokale Unternehmen im Umfeld der Militärstützpunkte und manchmal sogar die Familien der Frauen –, wenn auch teilweise nur in geringem Umfang.

Mit den wirtschaftlichen Bedingungen verändert sich auch die Zusammensetzung der betroffenen Frauen. Im Falle Koreas waren es früher überwiegend koreanische Frauen; heute sind es vielfach Frauen von den Philippinen und aus Thailand. Das alte System besteht fort – nur die Frauen sind andere.

Ziel des Gesprächs ist es, die Zusammenhänge zwischen diesen unterschiedlichen historischen und gegenwärtigen Situationen sichtbar zu machen. Zugleich soll gezeigt werden, wie Feministinnen sich organisiert und Widerstand gegen diese Systeme geleistet haben und wie Überlebende selbst zu handelnden und selbstbestimmten Akteurinnen geworden sind.

Profil zu Margo Okzawa-Rey

Margo Okazawa-Rey, Professor Emerita an der San Francisco State University, ist Aktivistin und Pädagogin und beschäftigt sich seit über 30 Jahren in ihrer politischen Arbeit, Lehre und ihren Publikationen mit Militarismus, Militarisierung und Gewalt gegen Frauen.

Ihre langjährigen politischen und persönlichen Verbindungen außerhalb der USA prägen ihr Denken, ihr Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge und ihre politische Perspektive – insbesondere ihre Vorstellungen von transnationaler feministischer Solidarität.

Sie ist Gründungsmitglied des International Women‘s Network Against Militarism sowie von Women for Genuine Security, der US-amerikanischen Mitgliedsorganisation des Netzwerks. Darüber hinaus gehört sie dem in den 1970er-Jahren gegründeten Schwarzen feministischen Combahee River Collective an.

Außerdem produziert und moderiert sie das feministische Radioprogramm Women’s Magazine, das vom Sender KPFA in Berkeley, Kalifornien, im Pacifica Radio Network ausgestrahlt wird. Als „DJ MOR Love and Joy“ ist sie zudem als DJ für transnationale feministische virtuelle Tanzpartys bekannt.

Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehören:

“Feminist Visions for Genuine Security and a Culture of Life: A Conversation with Margo Okazawa-Rey with Suzy Kim”, positions, Vol. 34, Nr. 2, Mai 2026;

“Afterword”, in: We Are Each Other’s Liberation: Black and Asian Feminist Solidarities, hg. von Swift, Tso & Kuo, Chicago: Haymarket Books, 2025;

“A Report from the Bahamas: And What of Identity Politics?”, in: This Unruly Witness: June Jordan’s Legacy, hg. von Muller, Thompson, Hill u. a., Chicago: Haymarket Books, 2025.

Der Artikel ist auch in English verfügbar.

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